KF A3: Grundannahmen
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Mit diesem Format wird die Entstehungsgeschichte einer Störung dokumentiert,  einschließlich der Faktoren, die sie gegenwärtig aufrechterhalten. Dieses Stadium der Beschreibung pathogenetischer Umstände ist ätiologieübergreifend. Es ordnet die Pathodynamik anhand von vier so genannten Grundannahmen ein, mit denen Wilfred Bion die spontane Beziehungsentwicklung in Gruppen beschreibt und die auch für psychische Krankheitsbilder typisch sein können (Bion, 1971; Landis, 2001, S. 229 f.).

     

Eine länger bestehende Gruppe kann alle Grundannahmen durchlaufen. Darüber hinaus sind die Stadien auch auf intraindividuelle Beziehungen anwendbar.

  • Paarbildung
  • Abhängigkeit
  • Kampf/Flucht
  • Arbeitsgruppe

Paarbildung ist gekennzeichnet durch Hoffnung und Optimismus. Das typische Beziehungsmuster ist (symbiotische) Liebe. Bezieht man diese Grundannahme auf ein einzelnes Individuum, entspricht sie der psychotischen Störung, die Realität und Phantasie vollkommen miteinander identifiziert.

Abhängigkeit von einem Gegenüber (Gruppenführer, Therapeut etc.), wobei Wachstum und Unabhängigkeit nicht angestrebt werden. Angst kann hierbei das charakteristische Beziehungsmuster sein. Intraindividuell lässt sich hier die Neurose zuordnen: Innen und außen werden getrennt, doch kommt es zu Konflikten, die Abhängigkeiten erzeugen.

Bei Kampf/Flucht geht es um die (blinde) Bereitschaft, um etwas zu kämpfen oder etwas unbedingt zu vermeiden. Meist geschieht dies bereits aus einem Zustand der Abhängigkeit heraus. Entsprechend sind Aggression und Angst bis hin zum Hass mit dieser Grundannahme verbunden. Auf der Ebene des Individuums entspricht die Grundannahme der Borderline-Störung, bei der Abhängigkeit bekämpft wird.

Die Arbeitsgruppe ist streng genommen keine Grundannahme, sondern ein eigener Typus. Es handelt sich nicht um einen instinktiven Beziehungsmodus, sondern um ein reflektiertes Stadium, dass über die zwischenmenschliche Beziehung hinaus die gemeinsame Arbeit an einer Aufgabe fokussiert. Alle drei Grundannahmen können auch in (wechselnder) Kombination zusammen mit der Arbeitsgruppe auftreten. Allein auf das Individuum bezogen, stellt „Arbeitsgruppe“ den Zustand geistiger Gesundheit dar, weil in diesem Fall ein starkes Ich im Sinne eines Gruppenführer zwischen Innen- und Außenwelt und zwischen Antrieben, Phantasien und Anforderungen vermittelt.

Überdies lassen sich innerhalb der drei Krankheitsgruppen Psychose, Neurose und Borderline-Störung Untergruppen dieser Störungen (z. B. affektive Psychosen etc.) wiederum mit den drei Grundannahmen verbinden.

  Grundannahme

  Beziehungsmuster

  Störung

   Untergruppe der Störungen

  Paarbildung

  Abhängigkeit

  Kampf /  Flucht

  Paarbildung

  Liebe

  Psychose

  Katatonie

  Manisch-  
  depressiv

  Schizophrenie

  Abhängigkeit

  z.B. Angst

  Neurose

  Hysterie

  Depressive
  Neurose

  Zwanghaft /
  schizoid

  Kampf / Flucht

  Hass

  Borderline

  Infantil-
  hysterisch

  Abhängig

  Narzisstisch

  Arbeitsgruppe

  Wissen /
  Zusammenarbeit

  Normalität

 

 

 


KF erlaubt die Zuordnung dieser Grundannahmen und ihrer Untergruppen, wobei Arbeitsgruppe als Fähigkeit zur Zusammenarbeit (in der Therapie) verstanden wird.
Insgesamt spiegeln auch KF C1 Ätiologien und KF A5 Genogramm Aspekte, die für die Pathogenese bedeutsam sind, können und daher berücksichtigt werden sollten.

 

 

 

Ködops - A3

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