KF B1: Erlebniszustände
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Die Übersicht über die relevanten Erlebniszustände (d. h. states of mind im Sinne der Konfigurationsanalyse nach Horowitz) des Patienten und ihre Beziehung untereinander  sollte nicht nur bei Traumapatienten, sondern auch immer beim Vorliegen dissoziativer und selbst- oder fremdgefährdenden Verhaltens erstellt werden. Die Zustände können entweder frei ermittelt oder mit Hilfe des Diagramms in KF 14a im Sinne einer geschlossenen Heuristik zusammengestellt werden.

 

1. Kompetenz/Wohlbefinden
Dieser Zustand charakterisiert das Erleben des Patienten, wenn er sich relativ kompetent und wohl fühlt. Der Zustand stellt einen Kompromiss zwischen Realität und Phantasie (Idealzustand 6) dar, d. h. die beste Annäherung an sein ideales Selbst, die dem Patienten aktuell möglich ist. Die Diskrepanzlinie zum Idealzustand 6 verdeutlicht den Unterschied.

2. Soziale Beziehungen
Informationen zu sozialen Beziehungen werden unterschieden nach hierarchischem Verhältnis (2a), das z. B. in charakteristischen Einstellungen des Patienten gegenüber Autoritätspersonen erfasst wird, und dem Verhältnis zu gleichgestellten Personen (2b). Letzteres umfasst z. B. Angaben über die Fähigkeit des Patienten mit anderen zusammenzuarbeiten und sein Kooperationsvermögen.

3. Alleinsein

Zustand Nr. 3 beschreibt die typische und überwiegende Stimmungslage des Patienten, wenn er allein und ganz auf sich selbst bezogen ist.

4. Konflikt
Wichtige (und wiederkehrende) Konflikte und Muster innerhalb von Beziehungen werden hier angesprochen.

5. Resultat (Konfliktlösung)
Dieser Zustand beschreibt, wie Konflikte gewöhnlich enden und mit welchen Empfindungen diese Lösungen beim Patienten verbunden sind.

6. Ideal
Hier geht es um das ideale Selbstbild des Patienten und den (in seiner Phantasie) gewünschten optimalen Erlebniszustand.

7. Traumastate

Es handelt sich bei Traumapatienten um den häufig abgespaltenen Zustand der traumatischen Erfahrung. Bei anderen Ätiologien ist hier jene Stimmungslage gemeint, die als höchst problematisch erlebt und deshalb unbedingt vermieden wird. Damit stellt Nr. 7 das Gegenbild zum Idealzustand 6 dar.

In welcher Reihenfolge die Zustände eingetragen werden, ergibt sich aus dem Verlauf der Therapie. Häufig spricht der Patient aber den Traumastate (7) oder Konflikte (4) bereits von sich aus im Erstgespräch an. Alternativ kann auch KF A2 Symptome und Beschwerden ein guter Ausgangspunkt für die Beschreibung dieser Erlebniszustände sein. Sind die problematischen Zustände bekannt, kann man sich von dort den anderen states nähern: So fragt der Therapeut z. B. nach dem Gegenbild des Traumastates, d. h. dem gewünschten Idealzustand (6) des Patienten und wie er sich dieser Vorstellung in der Realität annähert (1). Geht der Therapeut von Konflikten aus, kann er die gesamte Mittelachse des Diagramms erarbeiten, indem er nach den sozialen Beziehungen (2) fragt, charakteristische Beziehungs- und Konfliktmuster (4) und deren typische Lösung (5) herausarbeitet. Ein aufschlussreiches Gegenbild liefert dazu die Stimmung des Patienten, wenn er allein ist (3). Darüber hinaus kann der folgende Selbstbeschreibungsbogen vom Therapeuten in entsprechend abgewandelter Form als Instruktion verwendet werden:

Kölner Fragebogen zu persönlichkeitstypischen Stimmungen

1.     Wie würde ich meine Stimmung bezeichnen, wenn ich mich relativ kompetent und meinen         Aufgaben gewachsen fühle?
2a.   In welcher Stimmung bin ich am häufigsten beim Umgang mit Vorgesetzten und allgemein mit         Autoritätsfiguren?
2b.   In welcher Stimmung bin ich am häufigsten im Umgang mit gleichgestellten Mitarbeitern?
3.     In welcher Stimmung bin ich am häufigsten, wenn ich über längere Zeit allein bin?
4.     Welche Stimmung herrscht vor, wenn ich mit für mich wichtigen Personen in Konflikte und         Spannungen gerate?
5.     Wie gehen solche Konflikte gewöhnlich aus und in welcher Stimmung befinde ich mich dann?
6.     Wie lässt sich meine ideale Stimmungslage bezeichnen? Die Verfassung, die ich mir wünschen         würde und in der ich mich am wohlsten fühle?
7.     Wie sieht die unangenehmste, bedrohlichste Stimmung aus, in der ich mich überhaupt befinden         kann?

In einem weiteren Schritt sollten die Übergänge zwischen den einzelnen Erlebniszuständen herausgearbeitet werden, d. h. unter welchen inneren und äußeren Umständen ein Patient zu bestimmten Verhaltensweisen und Stimmungen neigt. Nur so werden letztlich der Zusammenhang und die gegenseitige Bedingtheit aller Zustände klar. Dieses Wissen kann dann in die weitere Therapie einfließen, indem z. B. die Voraussetzungen für angenehme Zustände gezielt geschaffen werden. Im KÖDOPS-Manual lassen sich solche Passagen oder Beziehungen zwischen den Erlebniszuständen durch zusätzliche beschriftete Pfeile kennzeichnen.

 

    

 

 

Ködops- B1

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